VORSCHAU

DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME

Der Wald ist seit Jahrhunderten ein deutscher Sehnsuchtsort. Zu sagen, er wäre schlicht ein Haufen von Bäumen, käme einer Entzauberung gleich. Und so verwundert es nicht, dass die Bücher Peter Wohllebens über die verborgene Welt des Waldes die Bestsellerlisten beherrschen. Längst ist der 56jährige ein Star in der Naturszene. Geschickt verbindet Regisseur Jörg Adolph die opulente Naturdoku mit einem spannenden Porträt des engagierten Öko-Försters aus der Eifel. 30 Jahre nach dem großen Waldsterben findet so das Interesse an ökologischen Zusammenhängen, an einem schonenden Umgang mit Ressourcen und natürlichen Kreisläufen den Weg auf die Leinwand.

 

ab 23.1. bei uns im Kino

JOJO RABBIT in engl. OmU

Sie ist wieder da: Die Komödie über Hitler. Diesmal begibt sich der jüdisch-maori-stämmige Regiewunderknabe Taika Waititi („Thor: Tag der Entscheidung“) in die großen Fußstapfen von Chaplin und Lubitsch. Er selbst verkörpert den „Gröfaz“ als vertrottelten Clown, der einem Knirps als Fantasie-Freund erscheint. Der Zehnjährige ist fanatisch begeistert vom Führer und dem Nationalsozialismus. Sein Weltbild gerät gehörig ins Wanken, als er im trauten Heim ein jüdisches Mädchen entdeckt, das die Mutter dort heimlich versteckt. Mit Klamauk gegen Nazis, das ist meist zu kurz gesprungen, zu bloßen Deppen reduzierte Slapstick-Faschisten sind eher verharmlosend als entlarvend. Waititi freilich versteht sein Werk ganz allgemein als „Anti Hass-Satire“ und die gelingt absolut grandios mit sehr guten Pointen samt bewegender Momente. Ein Film, der mit den Beatles beginnt und mit Bowie samt Rilke endet, kann sowieso kaum schlecht sein.

 

ab 24.1. bei uns im Delphi Arthaus Kino in engl. OmU

DIE WÜTENDEN – LES MISÉRABLES

Keine Neuverfilmung von Victor Hugos berühmten Roman ist Lady Lys Debütfilm „Les Misérables“, sondern eine wuchtige, wütende Parabel über das Verhältnis der Klassen im Paris der Gegenwart. Angesiedelt in einem vor allem von Migranten besiedelten Banlieue zeigt Ly die Strukturen der Gewalt auf und ist immer dann besonders überzeugend, wenn er fast dokumentarisch beobachtet und nicht narrativ überhöht.

ab 23.1. bei uns im Kino

EIN VERBORGENES LEBEN

EIN VERBORGENES LEBEN erzählt die Geschichte eines weithin unbekannten Helden. Der österreichische Bauer Franz Jägerstätter weigert sich standhaft, für die Wehrmacht zu kämpfen. Selbst im Angesicht der drohenden Hinrichtung bleibt er bis zuletzt davon überzeugt, seinem Gewissen folgen zu müssen. Getragen wird er von seinem tiefen Glauben und der unerschütterlichen Liebe zu seiner Frau Fani und den drei Kindern.

August Diehl und Valerie Pachner verkörpern Franz Jägerstätter und seine Frau Fani emotional aufwühlend, mit sensibler Präsenz und leidenschaftlicher Hingabe. Kameramann Jörg Widmer schuf dazu Bilder von poetischer Eleganz. Terrence Malicks unerschöpfliches Interesse am inneren Kampf seiner Hauptfigur macht EIN VERBORGENES LEBEN zu einem allegorischen Widerstandsdrama über Mut und den Kampf gegen das Böse.

 

ab 30.1. bei uns im Kino

LITTLE WOMEN

Gut 150 Jahre, nachdem Louisa May Alcott ihren Roman „Little Women“ veröffentlicht hat, gibt es eine neue Adaption, die mit Spannung erwartet wurde, weil Greta Gerwig, die Queen des Independent-Kinos, nicht nur die Regie führte, sondern auch das Skript verfasst hat. Sie nähert sich der Geschichte um vier junge Frauen sehr behutsam und mit einem unvergleichlichen Gefühl von Nostalgie. Denn Gerwig hat die Struktur des Romans aufgebrochen und arbeitet sehr stark mit Rückblenden, so dass die emotionalen Highlights immer wieder einander gegenübergestellt werden.

 

ab 30.1. bei uns im Kino

SORRY WE MISSED YOU

Einen Film als kaum zu ertragen zu beschreiben, ist meist keine Empfehlung. Ganz anders im Fall der jüngsten Ken Loach-Filme, die so schonungslos die wirtschaftliche Realität der Arbeiterklasse sezieren, dass sie, ja, kaum zu ertragen und gerade deswegen so gut sind. Zwar beschreibt „Sorry we missed you“ das Schicksal eines Paketboten in England, doch die Universalität des Geschilderten macht diesen Loach-Film auch in Deutschland unbedingt sehenswert.

 

ab 30.1. bei uns im Kino